Faszien – der Stoff, der uns zusammenhält

August 17, 2021 | Gesundheit

Faszien – der Stoff, der uns zusammenhält

Was haben wir alle in der Schule gelernt? Der Bewegungsapparat besteht aus Knochen, Muskeln und Sehnen. In den Gelenken finden wir noch Bänder, Kapseln und Knorpel. Doch wer von uns hat etwas über Faszien gehört? Dabei ist es genau dieses spinnennetzartige Gewebe, das unseren gesamten Körper zusammenhält.

 

Der Begriff Faszientraining hat in den letzten Jahren stark an Popularität gewonnen. Und das zu Recht! Lange Zeit lag der Fokus auf Muskeln, sowohl im Bereich des Trainings als auch bei Behandlungen. Der Muskel wurde als mehr oder weniger eigenständige Einheit betrachtet, die es zu stärken, zu dehnen, zu massieren und so weiter galt. Man glaubte, der Muskelkater sei ein Phänomen, das sich im Muskel abspielt. Ebenso glaubte man, wer steif und ungedehnt ist, der hätte verkürzte Muskeln. Heute weiß man, dass es nicht der Muskel an sich ist, der schmerzt oder sich verkürzt, sondern die sogenannten Faszien, die jeden Muskel umhüllen.

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Was genau sind Faszien?

Faszien sind Teil unseres Bindegewebes und umgeben alle Strukturen im Körper, d. h. Knochen, Muskeln, Nerven, Blutgefäße und Organe. Sie haben keinen Anfang und kein Ende, sondern sind als Kontinuum bzw. Geflecht von sich überlagernden, nahtlos ineinander übergehenden Häuten zu verstehen. Je nach Ort und Funktion können sie straff und faserreich oder eher weich und elastisch sein. Sie geben Struktur, wo Halt gebraucht wird, und sind dehnbar, wo mehr Flexibilität benötigt wird.

Die Straffheit der einzelnen Faszien hängt auch mit ihrem Wasseranteil zusammen. Faszien bestehen hauptsächlich aus Elastin, Kollagen und Wasser. Sie sind weißlich und leicht durchsichtig und können hauchdünn bis mehrere Millimeter dick sein. Wer einmal rohes Fleisch geschnitten hat, hat Bekanntschaft mit ihnen gemacht: Es sind die weißen Strukturen, die man in der Zubereitung gerne wegschneidet, da sie sehr zäh und daher nicht gut zu essen sind. Man schätzt, dass etwa ein Viertel unseres Körpergewichts alleine auf Faszien entfällt.

 

 

Welche Aufgaben erfüllen Faszien?

Hauptaufgabe der Faszien ist es, Muskeln, Knochen, Organe und Nerven räumlich voneinander abzutrennen, sie gleichzeitig aber auch zu verbinden. Man kann sich zum besseren Verständnis eine Orange vorstellen: Die einzelnen Segmente im Inneren der Orange sind von einer weißen, festen Haut umhüllt, und innerhalb des Fruchtfleisches sind winzige, durch dünne, durchsichtige Häutchen getrennte Fruchtschläuche zu erkennen. Ohne diese Haut hätte die Orange keine Form. Genauso verhält es sich in unserem Körper: Faszien geben uns Stabilität. Ohne Faszien würden Muskeln ihre Form und Knochen ihren Halt verlieren. Auch sämtliche Organe im Körperinneren hätten ohne Faszien keinen Halt mehr. Einfach ausgedrückt: Würden wir die Faszien aus unserem Körper entfernen, würden wir wie ein Kartenhaus zusammenfallen. Aus dieser Sicht werden sie als formgebendes Organ eingestuft.

Eine weitere wesentliche Aufgabe des Fasziensystems ist der Transport von Lymphflüssigkeit. Schädliche Stoffwechselendprodukte werden aus unseren Zellen abtransportiert, während wichtige Nähr- und Aufbaustoffe zu den Zellen hintransportiert werden. Kommt es beispielsweise aufgrund von muskulären Verspannungen oder Bewegungsmangel zu einem Stau der Lymphe, können die Faszien verkleben und zu Schmerzen führen.

Darüber hinaus sind Faszien ausgesprochen gut mit Nervenfasern ausgestattet: Sie enthalten mehr Rezeptoren und Nervenzellen als Augen, Ohren, Nase oder Haut und etwa sechs Mal mehr Nervenfasern als die Muskulatur. Man könnte sie also auch als unser größtes Sinnesorgan bezeichnen.

Auch für unsere Beweglichkeit sind Faszien entscheidend.

 

 

Wie und warum verkleben Faszien?

Optimalerweise sind Faszien elastisch und beweglich. Das ist dann der Fall, wenn wir jung und gesund sind und wenn wir uns regelmäßig und richtig bewegen. Bewegen wir uns aber zu wenig oder zu einseitig, verkleben und verfilzen die Faszien. Auch durch Stress, Operationen und Schonhaltungen können sich Faszien verkürzen und verhärten. Die gut dehnbaren Elastinanteile nehmen ab und werden durch das zähe, kaum dehnbare Kollagen ersetzt. Der Grundtonus des Muskels erhöht sich und er wird zunehmend starr und unbeweglich. Das wiederum führt zu Schmerzen und in weiterer Folge zu Einschränkungen in der Bewegung. Ein angespanntes Körpergefühl im Alltag und ein eingeschränkter Bewegungsspielraum der Muskulatur und der Gelenke erhöhen wiederum die Verletzungsgefahr. 

 

Der Grund für die Schmerzen liegt darin, dass Faszien über 80-mal mehr Schmerzrezeptoren verfügen als Muskeln. Sie werden auch als das „Nervenkostüm der Muskeln“ bezeichnet. Heute weiß man, dass hinter den klassischen Zivilisationskrankheiten am Bewegungsapparat wie Rückenschmerzen, Nackenverspannungen, Hüft- und Beinschmerzen nicht immer, wie früher angenommen, verspannte, überanstrengte Muskeln oder gar eingeklemmte Bandscheiben oder Nerven stecken. In vielen Fällen sind verklebte Faszien dafür verantwortlich. Ebenso weiß man heute auch, dass Überlastungsschäden im sportlichen Bereich nicht das rote Muskelfleisch betreffen, sondern eigentlich das kollagene Netzwerk des Körpers. Mit anderen Worten: Der Schmerz, den man beim Muskelkater spürt, entsteht nicht im Muskel, sondern in den Faszien.

 

Neben Bewegungsmangel und Stress spielt auch der sinkende Flüssigkeitsanteil mit zunehmendem Alter bei verklebten Faszien eine Rolle. Befindet sich im Bindegewebe zu wenig Flüssigkeit oder ist diese zu zäh, kommt es ebenfalls zu Verklebungen. Auch systematisch falsche Bewegung, d. h. eine Fehlbelastung kann zu verklebten Faszien und Schmerzen führen.

 

 

Wie man seine Faszien gesund und geschmeidig halten kann

Neben einer gesunden, abwechslungsreichen und nicht zu sehr zuckerhaltigen Ernährung ist regelmäßige Bewegung das A und O für gesunde Faszien. Regelmäßige fasziale Bewegung sorgt für ein festeres Bindegewebe und einen geschmeidigeren Körper. Dazu eignen sich zum Beispiel Yoga, Stretching oder gezieltes Faszientraining. Auch federnde und wippende Bewegungsarten sind besonders wirksam. Es ist nachgewiesen, dass regelmäßig federnde Bewegungen zum Beispiel auf einem (Mini-)Trampolin zu jugendlicherem Bindegewebe führt. Ebenso geeignet sind Springen und Schütteln. Was die Ernährung betrifft, so empfiehlt es sich, sich mit ausreichend Proteinen und Wasser zu versorgen.

Muskelaufbau

 

Leider ist es aber so gut wie unmöglich, bereits verklebte Faszien mit Hilfe von Gymnastik oder Dehnübungen zu lösen. Um kollagene Verdickungen oder Verklebungen des Bindegewebes aufzulösen und die Faszien langfristig zu mobilisieren, muss manueller Druck von außen ausgeübt werden. Im Grunde genommen ist jede Sportmassage eine Faszienbehandlung, dennoch gibt es spezielle Faszienmasseure, die ganz gezielt verhärtete Strukturen bearbeiten. Diese Art der Massage ist zwar manchmal schmerzhaft, kann aber bereits lange bestehende Schmerzen langfristig mildern.

 

Eine weitere Möglichkeit des Faszientrainings ist der Einsatz von Faszienrollen und -bällen. Faszienrollen sind spezielle Massagerollen, die mittlerweile zur Ausstattung jedes Fitnesscenters und jeder Physiotherapiepraxis gehören. Es ist nachgewiesen, dass konsequentes und richtiges Training mit diesen Rollen die Kollagen-Erneuerung beschleunigt, Verklebungen der Faszien lösen und Verspannungen und Schmerzen signifikant reduzieren kann.

 

Doch genau wie bei der Faszienmassage gilt auch hier wieder: Faszientraining kann schmerzhaft sein, zumindest am Anfang. Dabei sehen Faszienrollen ganz harmlos aus. Sie sind aus Schaumstoff und man rollt sich einfach auf ihnen hin- und her. Dadurch knetet man mit dem eigenen Körpergewicht bestimmte Muskelpartien durch, presst „alte“, verbrauchte Flüssigkeit aus den Faszien heraus und versorgt sie mit neuer, nährstoffreicher Flüssigkeit. Die Faszien werden langfristig elastischer.

 

Faszienrollen gibt es in unterschiedlichen Ausführungen und in unterschiedlichen Härten. Für Anfänger und weniger gut trainierte Menschen eignen sich eher weichere Materialien. Die Blackroll Mini ist zum Beispiel hervorragend für den Nacken oder eine Massage der Fußsohlen geeignet. Der Duoball wiederum passt sich perfekt dem Verlauf der Wirbelsäule an und wird am Rücken verwendet

 

Diese Rollen können praktischerweise auch zu Hause angewendet werden. Um eine anfängliche Überforderung zu vermeiden, ist es jedoch ratsam sich zu Beginn bei einem Profi zu informieren und so den richtigen Umgang mit der Rolle zu lernen

Dieser Text  ersetzt keinesfalls die fachliche Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt und  darf nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer den Arzt Ihres Vertrauens!